Was bedeutet Leichte Sprache?

Leichte Sprache soll Menschen mit kognitiver Behinderung den Zugang zu Informationen und Kommunikation eröffnen. Sie ist der Versuch, schriftliche Informationen auf einem möglichst einfachen, niedrigschwelligem Niveau zu transportieren. Für die Leichte Sprache gibt es diverse Regeln, wie etwa die Nutzung von kurzen Hauptsätzen und die Verwendung einfacher, bekannter Wörter. Auch an das Textlayout, z.B. an die Schriftgröße, werden Anforderungen gestellt.

Die Übertragung von Texten in Leichter Sprache ist nicht vergleichbar mit Übersetzungen in eine Fremdsprache. Die Übersetzer von Leichter Sprache arbeiten zunächst die wichtigsten Aussagen eines alltagssprachlichen Textes heraus und geben diese dann in einfacher, leicht verständlicher Form wieder. Damit findet eine inhaltliche Verknappung statt. Meist geht es aber nicht anders. Texte in Leichter Sprache würden sehr lang werden, wenn tatsächlich alle Informationen eines in Alltagssprache geschriebenen Textes übersetzt werden würden. Denn viele Zusammenhänge, Sachverhalte und Begriffe, die bei Lesern von Alltagssprache als bekannt vorausgesetzt werden, müssen für die Zielgruppe kognitiv behinderter Menschen erst erklärt werden. Werden die Texte in Leichter Sprache aber zu umfangreich, stellen sie eine neue Barriere für die Zielgruppe dar.

Aus der Selbsthilfe geistig behinderter Menschen entstanden, wird aktuell daran gearbeitet, die Regeln für Leichte Sprache wissenschaftlich zu fundieren und zu präzisieren.

Die Akteure dieses Themengebietes sind sich indes sicher: Leichte Sprache ist nicht nur für Menschen mit kognitiven Einschränkungen hilfreich, sondern auch für lernbehinderte und gehörlose Menschen, für Analphabeten und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, z.B. Migranten.

Abgrenzung zur Einfachen Sprache

Leichte Sprache und Einfache Sprache werden oftmals synonym verwendet. In der Fachwelt wird jedoch zwischen den beiden Sprachstilen unterschieden: Zwar gibt es für die Einfache Sprache keine festgeschriebenen Regeln, sie lässt aber einen etwas komplexeren Sprachstil zu als die Leichte Sprache, so sind etwa Nebensätze erlaubt. Da der Schwierigkeitsgrad höher ist, werden als Zielgruppe für Einfache Sprache Menschen mit geringer Lese- und Schreibkompetenz genannt, die aber nicht kognitiv eingeschränkt sind.

Zur Unterscheidung der beiden Stile wird häufig der „Europäische Referenzrahmen für Sprachen“ herangezogen. Dieser gilt für Fremdsprachen und unterscheidet zwischen 6 Sprachstufen (A1 Anfänger bis C2 Experten). Hiernach entspricht Leichte Sprache der Stufe A1, Einfache Sprache der Stufe A2-B1.

Regeln für Leichte Sprache:

Europäisches Regelwerk von Inclusion Europe: Informationen für Alle (PDF-Dokument, nicht barrierefrei)

Lebenshilfe Bremen e.V.: Die Regeln für Leichte Sprache (PDF-Dokument, nicht barrierefrei)