Leitfaden für Webseiten-Anbieter

Die Entscheidung, für oder gegen Barrierefreiheit hängt häufig an der Frage: Welche zusätzlichen Kosten fallen an? Ähnlich wie im Bereich Bauen, ist auch im Internet die Umsetzung von Barrierefreiheit am günstigsten, wenn sie von vornherein berücksichtigt wird, also bei der Neuentwicklung oder dem Relaunch eines Webangebots. Der folgende Leitfaden zeigt Anbietern von Webangeboten, wie Barrierefreiheit umgesetzt werden kann.

Wie werden Webangebote barrierefrei gestaltet?

Die meisten Webangebote werden mit Hilfe von Redaktionssystemen, sogenannten Content Management Systems (CMS) erstellt. Das von der beauftragten Agentur (oder der IT-Abteilung) eingerichtete CMS ist für den Rahmen der Darstellung verantwortlich (also für Seitenstruktur und Navigation), während die Redakteure bzw. Autoren für die Gestaltung der Inhalte innerhalb dieses Rahmens zuständig sind. Die Barrierefreiheit des Gesamt-Angebots hängt sowohl an der Umsetzung des Rahmens (im CMS) als auch an der Aufbereitung der Inhalte.

Konzeption des Webauftritts

Barrierefreiheit sollte bereits bei der Konzeption des Internetauftritts mitgedacht werden. Beachten Sie hierbei auch die folgende Punkte:

  • Vorhandene interne Quellen

    Ein wichtiger Punkt ist die Nutzung von bestehenden, oft nicht barrierefreien internen Quellen (etwa Datenbanken, Dokumenten oder Prozessen). Hier ist zu fragen: Was lässt sich integrieren, was sollte neu gestaltet werden?

  • Nutzung externer Quellen

    Ein anderer Aspekt ist die Verwendung von externen Quellen bzw. Dienstleistungen, etwa Online-Karten, Chat-Funktionen, Kommentardiensten, Sicherheitsabfragen, und so weiter. All diese Quellen können die Barrierefreiheit eines ansonsten gut umgesetzten Webangebots beeinträchtigen.

  • Optimierung für unterschiedliche Ausgabegeräte

    Schließlich muss erwogen werden, ob das Webangebot auch für mobile Ausgabegeräte wie Smartphones und Tablets optimiert werden soll. Immer häufiger werden dann verschiedene Seitenansichten angezeigt. So wird etwa aus einer Seite mit drei Spalten bei der Ansicht auf dem Smartphone eine vereinfachte einspaltige Ansicht. Hier ist darauf zu achten, dass in allen verfügbaren Ansichten die Anforderungen an die Barrierefreiheit erfüllt sind.

Ausschreibung und Überprüfung der Barrierefreiheit

Sie schreiben die Entwicklung des Webangebots aus? Oder suchen eine Webagentur? Fordern Sie die barrierefreie Gestaltung bereits zu Anfang ein. Zum Nachweis der Barrierefreiheit gibt es Tests, die auf den bestehenden Standards BITV und WCAG basieren.

Der BITV-Test wird als entwicklungsbegleitender (zur Unterstützung der Entwicklung) und als abschließender Test angeboten. Wird bei der abschließenden Prüfung ein gutes Ergebnis erzielt, kann das BIK-Prüfsiegel vergeben werden. So kann etwa in der Ausschreibung gefordert werden, dass im abschließenden Test mindestens 90 von 100 Punkten erreicht werden soll.

Aktuell arbeitet das BIK für Alle Projekt an der Entwicklung eines WCAG-Tests für Unternehmen oder Organisationen, die sich gemäß des internationalen Standards WCAG prüfen lassen möchten.

Auswahl der Agentur

Die Agentur, die die Gestaltung und Umsetzung des Webangebots übernimmt, muss über Kompetenzen in Sachen Barrierefreiheit verfügen. Dies sollte möglichst über aktuelle barrierefreie Referenzprojekte belegbar sein. Wer bei einem geplanten Relaunch die Agentur nicht wechseln will, sollte zumindest darauf drängen, dass sich die Hausagentur die entsprechende Kompetenz von außen dazu holt.

Bei der Auswahl einer geeigneten Agentur kann die Liste 90plus unterstützen. Hier sind Agenturen verzeichnet, deren Webangebote im BITV-Test sehr gut abgeschnitten haben.

Auswahl des Content Management Systems

Viele Agenturen haben sich auf ein oder wenige Content Management Systeme spezialisiert. Wichtig ist, dass das genutzte Redaktionssystem die Entwicklung barrierefreier Seiten unterstützt. Einige CMS, die häufig für die Entwicklung barrierefreier Webangebote benutzt werden, wie z.B. Typo3, Joomla!, Drupal oder Contao, sind kostenfrei erhältlich.

In der Liste 90plus sind empfehlenswerte Redaktionssysteme aufgelistet.

Redakteure qualifizieren

Nachhaltig barrierefrei sind nur Angebote, bei denen auch die Redakteure und Autoren wissen, wie Webinhalte barrierefrei zu gestalten sind. Dazu gehören zum Beispiel eine gute Überschriftenhierarchie, richtig ausgezeichnete Datentabellen, Bilder mit Alternativtexten und Videos mit Untertiteln. Als Anbieter eines Webauftritts sollten Sie dafür Sorge tragen, dass die mit der Pflege des Angebots betreuten Mitarbeiter entsprechend qualifiziert werden. In der Regel bieten die Webagenturen Schulungen hierzu an, ebenso werden Seminare von den BITV-Test Prüfstellen angeboten.